[Rezension] Tilman Röhrig - "In 300 Jahren vielleicht"

Tilman Röhrig - In 300 Jahren vielleicht
Historischer Roman

Verlag: Arena Life
Umschlaggestaltung und -typografie: knaus. Büro für konzeptionelle und visuelle identitäten, Würzburg, unter Verwendung eines Fotos von Raymond Gehman © gettyimages
ISBN-13: 978-3-401-02775-3
Seiten: 154 Seiten
Erschienen: Juni 2013

Buchrückentext
„Eggebusch im Oktober 1641: Hunger, Elend und Furcht bestimmen das Leben in dem kleinen Ort. Nur wenige Menschen können sich noch an die Zeit vor dem Krieg erinnern. Gegen die Not, den Krieg mit seinen plündernden Soldatenhorden und die Angst vor der Pest setzt der 15-jährige Jockel seine Liebe zu Katharina und die Hoffnung, dass irgendwann wieder Friede sein wird: in dreihundert Jahren vielleicht.“

Leseeindruck
Eins vorweg: Dieses Buch ist keine Liebesgeschichte, wie der Klappentext vielleicht vermuten lässt und es ist auch kein nettes Kinderbuch für zwischendurch – auch wenn das Buch bereits ab 14. Jahren empfohlen wird. Denn es geht um die Zeit während des 30jährigen Krieges, eine Zeit der Grausamkeit, des Hungers und des alltäglichen Kampfes – und wie sie von den Bewohnern eines kleinen Ortes erlebt wird. Tilman Röhrig spart dabei nicht an detaillierten Beschreibungen, die das Elend und die Unmenschlichkeit der damaligen Zeit zeigen. 

Ich kann nicht sagen, dass mir das Buch gefallen hat im Sinne „guter Unterhaltung“, dafür war es mir zu brutal, wohlwissend, dass es einen sehr authentischen Einblick in die damalige Zeit gibt. Dennoch aber fand ich das Buch gut, eben weil es nicht beschönigt oder die Dinge in ein besseres Licht rückt. Der Autor hat es geschafft, die düstere und hoffnungslose Stimmung der damaligen Zeit einzufangen und mich mit diesen einfachen Menschen, die täglich ums Überleben kämpfen, mitfühlen zu lassen. Durchweg ist das Buch melancholisch und es gibt nur wenige Momente, wo man Hoffnung oder Mut verspürt. Das ist auch der Grund, warum ich immer wieder Pause machen musste – trotz der nur gut 150 Seiten habe ich doch einige Tage an dem Buch gelesen; weil ich erst immer wieder das Gelesene sacken lassen musste und drüber nachdenken wollte.

Dabei liest sich die Geschichte eigentlich gut. Der Schreibstil ist zwar nicht ganz einfach, passt aber zum Inhalt und gibt einem das Gefühl, sich auch tatsächlich im 17. Jahrhundert zu befinden. Beeindruckt hat mich vor allem, wie Tilman Röhrig mit seinen Worten diese ganz besondere Atmosphäre geschaffen hat, die das Gefühl und die Gedanken der Bewohner wiedergibt, eine Atmosphäre, die mich beim Lesen und auch lange danach nicht losgelassen hat.

Ich würde das Buch auf jeden Fall empfehlen, denn es bringt ein Stück Geschichte auf eine sehr eindringliche Weise näher. Es ist kein Buch, dass einfach nur unterhält, sondern eines, dass nachdenklich stimmt und eine melancholische Stimmung hinterlässt – und einen über den Krieg nachdenken lässt; denn an Aktualität hat das Thema leider nicht verloren.


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