[Rezension] Laurence Cossé - "Der Zauber der ersten Seite"

Laurence Cossé - Der Zauber der ersten Seite
Roman

Verlag: Blanvalet-Verlag
Umschlaggestaltung: bürosüd, München
Umschlagmotiv: Susan Fox /Trevillion Images
ISBN-13: 978-3-442-37832-6
Seiten: 464 Seiten
Erschienen: 15. November 2011

Buchrückentext
„Wer kann Menschen, die gute Romane wollen, als Bedrohung empfinden?, fragt sich Kommissar Heffner ungläubig, als drei harmlose Menschen angegriffen werden, die einem geheimen Komitee angehören, das besondere Bücher auswählt. Auf der Suche nach der Wahrheit taucht Heffner ein in die geheimnisvolle Welt der Bücher und derer, die sie lieben. Menschen, die dem Zauber der ersten Seite immer wieder erliegen und daran glauben, dass Bücher Leben verändern, Schicksale steuern und die Liebe wecken können …“

Meine Meinung
Ich bin sehr zwiegespalten, wie ich dieses Buch finden soll – es gab Dinge, die ich toll fand, wie zum Beispiel die Idee der Geschichte, aber leider auch einiges, was mir gar nicht gefallen hat – zum Beispiel die vielen langatmigen Passagen oder die mich nicht berührende und viel zu konfuse Liebesgeschichte.

Schon den Einstieg fand ich etwas verwirrend, denn auf den ersten 70 Seiten taucht die Buchhandlung noch gar nicht auf. Es geschehen Attentate auf verschiedene Personen und das Buch klingt eher wie eine Kriminalgeschichte. Erst dann wird klar, wer die Betroffenen sind und was es mit der Buchhandlung „Der gute Roman“ auf sich hat. Mir hat die Idee dieser Buchhandlung gefallen – auch wenn man natürlich darüber streiten kann, was denn nun eigentlich ein guter Roman ist und wer das bestimmt. Genau das wird dann auch im weiteren Verlauf der Geschichte zum Thema – denn „Der gute Roman“ hat nicht nur Freunde, sondern auch Feinde.

Die Entstehung der Buchhandlung und wie die Auswahl der Bücher stattfinden soll wird sehr ausführlich beschreiben – mir zu ausführlich, denn ich fand diesen Teil sehr langatmig. Erst die zweite Hälfte des Buches fand ich dann wieder interessanter, auch wenn ich nicht sagen kann, dass ich „Der Zauber der ersten Seite“ spannend oder gar fesselnd fand.

Dabei gab es genug gute Ideen – aber mir hat die Umsetzung nicht gefallen. Der Krimi wird leider nicht zu Ende geführt – zwar finden Ermittlungen statt, die aber irgendwie sehr unengangiert wirken. Auch die Auflösung, wer der Attentäter war, wird irgendwann mal einfach nebenbei geliefert. Es gibt natürlich auch eine Liebesgeschichte, die ich aber sehr verwirrend fand und die mich leider gar nicht berühren konnte. Und zu guter Letzt gibt es ja auch noch das Thema der Buchhandlung, die in die Kritik gerät und letztlich auch zu einem zumindest lokal großen Medienereignis wird. Und auch hier habe ich das Gefühl, das ein Abschluss fehlt, dass auch dieser Strang der Geschichte nicht richtig zu Ende gebracht wird, sondern einfach irgendwie im Sande verläuft.

Die Charaktere sind alle gut gezeichnet, vor allem sind sie wirklich eigenwillig und fernab jeglicher Stereotypen. Leider sind sie mir aber auch fremd geblieben, und ich konnte mich nicht in sie hineinversetzen, ihre Gedanken verstehen und ihr Handeln nachvollziehen. Dadurch habe ich mich nicht als Teil der Geschichte gesehen, sondern als Außenstehender. Dabei hat mir die Atmosphäre eigentlich gut gefallen – sie ist immer ein bisschen melancholisch und düster, aber irgendwie habe ich mich in eine andere Zeit versetzt gefühlt – obwohl die Geschichte in der Gegenwart, im 21. Jahrhundert, spielt. 

Der Schreibstil ist anfangs gewöhnungsbedürftig, nichts, was man einfach so runterliest, sondern es gibt oft lange Sätze und vor allem viele Beschreibungen – daran habe ich mich aber gewöhnt und fand den Schreibstil dann auch angenehm und gut zu lesen. Es gibt immer wieder Abschnitte, wo auch über Bücher philosophiert wird, es sind aber immer Werke, die ich nicht kannte und von denen ich nicht weiß, ob ich sie auch tatsächlich lesen würde. Da es Bücher sind, die in der Buchhandlung „Der gute Roman“ zu kaufen sind, weiß ich auch nicht, ob mich die Buchhandlung angesprochen hätte – vom Stil und der Einrichtung her wahrscheinlich schon, aber die Auswahl an Büchern hätte mir vermutlich nicht gefallen. 

Mich konnte dieser Roman leider nicht ganz überzeugen – es gab tolle Passagen und vor allem auch tolle Ideen zur Geschichte, die Umsetzung hat mich dann leider nicht angesprochen. Vieles fand ich langatmig, einiges nicht zu Ende gebracht – daher hat es leider nur zu 3/5 Sternen gereicht. 

Mein Fazit
Mich konnte dieses Buch leider nicht überzeugen, obwohl mich sowohl Titel als auch Cover und Klappentext total angesprochen haben. Zu viele verschiedene Handlungsstränge werden angefangen, aber irgendwie nicht schlüssig zu Ende gebracht. Dazu kommen Charaktere, die zwar sehr gut gezeichnet sind, die aber sehr eigen sind und mir daher leider nicht ans Herz wachsen wollten. An den Schreibstil musste ich mich zwar erst gewöhnen, fand ich dann aber durchaus poetisch und auch angenehm zu lesen. Leider aber muss ich sagen, dass der Zauber weder auf der ersten noch auf den folgenden Seiten auf mich übergesprungen ist – für die Idee und den schönen Schreibstil gebe ich aber dennoch 3/5 Sternen.


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